Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r

Die/der Rechtsanwaltsfachangestellte sowie Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte ist nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zum selbstständigen Erledigen von Korrespondenz, Mahn- und Vollstreckungssachen, Erstellen von Vergütungsrechnungen und Führen des Fristenkalenders befähigt. Daneben werden Telefonate entgegengenommen, beantwortet oder weitergeleitet, Termine mit Mandanten vereinbart, Nachfragen bei Gerichten oder Behörden getätigt sowie der Posteingang und –ausgang erledigt. Im Notariat werden Beurkundungsaufträge sowie die Abwicklung von Grundstücksangelegenheiten vorbereitet.

Unterrichtsorganisation

Die gemäß BBS-VO (Verordnung für berufsbildende Schulen) vorgesehene Anzahl der Unterrichtsstunden ist für die Auszubildenden bei Rechtsanwälten und Notaren im Rahmen der dreijährigen Ausbildung wie folgt verteilt:

Grundstufe: 13 Unterrichtsstunden (1,5 Unterrichtstage pro (Woche)
Fachstufe 1: 13 Unterrichtsstunden (1,5 Unterrichtstage pro Woche)
Fachstufe 2: 12 Unterrichtsstunden (1,5 Unterrichtstage pro Woche)

Schulorganisatorische Erfordernisse können allerdings eine etwas abweichende Verteilung nachsichziehen.

Schulische Inhalte

Die Stundentafel sieht neben den allgemeinbildenden Fächern Deutsch, Englisch, Politik und Religion schwerpunktmäßig berufsspezifischen Unterricht vor, der nach Lernfeldern gegliedert ist.

Die Lerngebiete/Lernfelder umfassen folgende Bereiche:

Lernfeld 1: Einstieg in den Beruf
Lernfeld 2: Stellung der Kanzlei in der Wirtschaft
Lernfeld 3: Komponenten der Informationsverarbeitung
Lernfeld 4: Personalwirtschaft unter arbeits- und sozialrechtlichen Aspekten
Lernfeld 5: Durchsetzung von Forderungen (Mahn-, Klage- und Vollstreckungsverfahren)
Lernfeld 6: Rechnungswesen als Kontroll- und Steuerungsinstrument
Lernfeld 7: Informationsfluss in der Kanzlei
Lernfeld 8: Das Familienrechtsmandat
Lernfeld 9: Das Strafrechtsmandat
Lernfeld 10: Grundlagen notarieller Tätigkeiten
Lernfeld 11: Notarielle Tätigkeiten in der Liegenschaft
Lernfeld 12: Notarielle Tätigkeiten im Familien- und Erbrecht
Lernfeld 13: Rechtsformen von Kanzleien und Unternehmen
Lernfeld 14: Die Kanzlei im Einfluss von Geld und Kredit

Zusatzqualifikation

Werden bei erfolgreichem Abschluss der Berufsschule entsprechende Leistungen erbracht und die Kammerprüfung bestanden, besteht z. B. die Möglichkeit, soweit noch nicht vorhanden, den erweiterten Sekundarabschluss I zu erhalten. Weiterhin haben die Auszubildenden die Chance, die Fachhochschulreife zu erwerben.

Dazu ist es notwendig, einmal pro Woche an Abendunterricht teilzunehmen, der auf eine Zusatzprüfung vorbereitet. Nachdem sowohl diese als auch die Kammerprüfung erfolgreich abgeschlossen worden sind, besteht die Berechtigung zum Studium an einer Fachhochschule.

Kammerprüfungen

In der Mitte der Ausbildung ist eine schriftliche Zwischenprüfung abzulegen, die 180 Minuten dauert.

Die Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.

Der schriftliche Teil erstreckt sich über 420 Minuten, verteilt auf zwei Tage. Er beinhaltet folgende Prüfungsfächer:

1. Recht, Wirtschafts- und Sozialkunde
2. Rechnungswesen
3. Fachbezogene Informationsverarbeitung
4. Zivilprozessrecht und Freiwillige Gerichtsbarkeit
5. Gebühren- und Kostenrecht

Die mündliche Prüfung erfolgt in Form eines Prüfungsgesprächs über praxisbezogene Aufgabenstellungen.

Die Prüfungen finden vor einem von der Rechtsanwaltskammer Celle errichteten Prüfungsausschuss statt, der den erfolgreichen Absolventinnen/Absolventen den Fachangestelltenbrief überreicht. Die Berufsschule stellt ein Abschlusszeugnis aus.

Hinsichtlich einer Aus- und Weiterbildungsmöglichkeit könnte sich der Besuch der Fachoberschule Verwaltung und Rechtspflege zum Erwerb der Fachhochschulreife anschließen.